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bike-the-world.net: Sofia(BG) - Ankara(TR) / 2002/09 / Haskovo(BG) - Edirne(TR)

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Datum

10.09.2002

Etappe

Haskovo(BG) - Edirne(TR)  

Distanz

95 km

Fotos

6

Nachdem ich gestern verkehrsmässig einen ziemlichen Horrortag hatte - schliesslich ist das die einzige Transitstrasse in die Türkei - erwarte ich mir für heute nichts Gutes. Doch es sollte anders kommen: Ein super Fahrtag mit wenig Verkehr und tollen Strassen.

Um 8:15h starte ich von Haskovo aus auf die 4 km entfernte Transitstrasse. In Podkrepa mache ich eine Rauchpause, wobei ein mit 7 Personen besetzter Eselkarren mein Bike rammt und zu Sturz bringt. Nix passiert, ich fahre weiter und ab Stoikovo fangen die 6-8%-igen Steigungen an. Einige Kilometer vor Harmanli kündigt sich sich auch die EU an: "Auf den nächsten 40 km EU-Strassenprojekt für 13 Millionen Euro, vorsichtig fahren" - tu ich sowieso immer.

Dann geht es wieder einmal so richtig schön bergab bis Harmanli, abseits der Hauptstrasse fülle ich bei einer Tankstelle wieder meinen Wasservorrat auf. Die nächsten 18 km bis Lybimets sind ein Traum: die jungfräuliche EU-Asphaltdecke gibt echt echt was her, es gibt kilometerlange Gerade und der Wind kommt auch aus der richtigen Richtung. Zwischendurch grüssen mich die Strassenarbeiter und es tut mir irgendwie schon leid, dass ich Bulgaristan, wie es in der Türkei heisst, bald verlassen werde. Andererseits freue ich mich, schon bald in ein Land zu kommen, wo die Kommunikation über "Yes, no, Marlboro" hinausgeht (dies sollte ein schwerer Irrtum sein: Auch in der Türkei spricht man nur in den wirklichen Touristenzentren "Ausländisch") und ich nicht jedesmal stehen bleiben musss, um die Schilder zu übersetzen.

Die Strecke bis Svilengrad geht ähnlich weiter, nur der Asphalt ist nicht mehr so frisch. Svilengrad passierer ich und lege dort noch einen Snackstop ein, Dann gibt es noch einen kurzen Anstieg, anschliessend geht es bergab zum Grenzübergang Kapitan Andreevo-Kapikule.

Um 12:30h bin ich an der Grenze. Auf der bulgarischen Seite habe ich 3 Kontrollen, natürlich fehlt wieder ein "wichtiges" Dokument (man bekomt bei der bulgarischen Einreise "manchmal" eine Karte, die man sich sich jeden Tag während des Aufentahlts abstempeln lassen muss), aber ich darf trotzdem rüber. Auf der türkischen Seite erfolgt die Zollabfertigung in 4 Etappen - dafür gibt es hier 18 Spuren, von denen zur Zeit allerdings nur 2 geöffnet sind. Beim 3. Halt fehlt mir dann plötzlich das türkische Visum, von dem ich bis Dato noch nie etwas gehört habe. Tatsächlich kostet die Stempelmarke Euro 15,-- und ist eine reine Geldbeschaffungsquelle.

Um den Kurs zu erfahren, wechsle ich Euro 30,-- und werde dadurch zum Millionär: Ich erhalte 50 Millionen Türkische Lira. Direkt am Grenzübergang ist auch gleich eine imposante Moschee, die wohl symbolsieren soll, dass ab jetzt der Islam die "richtige" Religion ist.

Ab jetzt geht es wieder weiter über die Autobahn, deren Vorteile ich schon zu schätzen gelernt habe. Nachdem ich mich direkt an der griechischen Grenze befinde, ist rechts von mir alles militärisches Sperrgebiet. Nach ca. 10 km ist dann die Abfahrt nach Edirne, weitere 5 km sind es noch bis ins Zentrum von Stadt. Obwohl ich nur ein paar Kilometer von Bulgarien entfernt bin, ist alles in einem viel gepflegteren Zustand als dort. 40 Jahre Kommunismus haben in Bulgarien wirklich sehr viel Schaden angerichtet.

Edirne ist eine extrem gepflegte Stadt mit Highlights wie englischem Rasen und Ampeln, die anzeigen, wie lange die jeweilige Phase noch dauert. Ich halte diese Stadt auch nicht für wirklich repräsentativ, sie ist ein Schmuckkästchen der Türkei und mit ihren bedeutenden Moscheen ein "very holy place". Ein Zimmer finde ich für Euro 20,--, mit Kabel-TV. Der Geldautomat heisst hier "Bankomatika" und nach einer Behebung kann ich mir auch ein Essen mit Efes-Bier leisten. Später hole ich mir noch ein Bier bei einem Shop und muss eines erkennen: Biertrinken ist in der Türkei zwar erlaubt - schliesslich brauen die Türken ihr Efes-Bier auch selbst - damit Alah sich diese Schmach aber nicht mitansehen muss, wird Bier auch an Ungläubige in schwarzen Plastiksäcken distribuiert. Sollte auch nachher nicht anders sein. Der Allmächtige möge mir vergeben. Es ist heisser geworden, gegenüber dem fast schon herbstlichen Sofia ist die Temperatur um einige Grade gestiegen. Um 17h spricht der Muezzin zum erstenmal zur mir.

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